Humanistischer Salon - Das 11.Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!

Dienstag 05.01.2016, 20:00 Uhr im Salon des Amateurs, in der Kunsthalle, Grabbeplatz 4

(05.01.2016)

In jedem Sommer findet in Deutschland ein Kirchentag statt: abwechselnd in den geraden Jahren der "Katholikentag" und in den krummen Jahren der "Evangelische Kirchentag".  Jedes Jahr in einer anderen, auserwählten Stadt und jedes Jahr fließen Millionen von Steuergeldern (ja, auch von uns Atheisten) in die Hände der klerikalen Programmgestalter.

An den mehrtägigen Events gibt es Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen rund um den eigenen Glauben und die eigene Kirche, Gottesdienste und Live-Konzerte. Ziel der Kirchentage ist es, durch den Happeningcharakter insbesondere die junge Generation an die Kirche zu binden, Presseberichterstattung zu generieren und sich so mit christlichen Standpunkten deutlich sichtbar in den gesellschaftlichen Diskurs einzumischen.

Egal wie hoch verschuldet Stadt und Land sind, egal wie sehr der Putz von den Schulwänden bröckelt, egal ob die Schwimmbäder geschlossen und der Nahverkehr teurer wird, die sommerlichen Großmissions-Veranstaltungen werden fraglos finanziert. Dass hochverschuldete Kommunen auf diesem Wege Milliarden schwere Weltanschauungskonzerne subventionieren ist ein ausgewachsener Skandal.

Die Summen der öffentlichen Zuschüsse schwanken zwischen 2 und 10 Millionen Euro pro Kirchentag. Seit 2001 flossen rund 90 Millionen Euro an allgemeinen Steuergeldern in die Subventionierung der Sommerfeste der Kirchenvereine. Ohne jede rechtliche Grundlage. Wo bleibt da die verfassungsrechtlich eingeforderte staatliche Neutralität in Weltanschauungsfragen?

Seit 2014 tourt daher die bundesweit agierende Gruppe: "11.Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst finanzieren!"  mit einer 3 Meter hohen Moses-Figur immer in jene Städte, denen die klerikale PR-Großveranstaltung droht. Das sind:
2014: Regensburg, 2015: Stuttgart, 2016: Münster, 2017: wegen des Reformationsjubiläums sieben Städte gleichzeitig, Berlin und zum Abschluss Wittenberg (dafür gab es Extrazuschüsse vom Bund und die Katholiken bekamen zum Ausgleich 2011 den Besuch des Papstes im Bundestag), 2018: Leipzig (hat 700 Millionen Euro Schulden, einen Katholikenanteil von 4% und trotzdem 1 Millionen Euro für den Katholikentag bewilligt) , 2019: Dortmund, usw. ...

Allerdings haben die Aktionen des 11. Gebots bewirkt, dass diese Praxis des Geldflusses von arm zu reich langsam in das kritische Bewusstsein der Menschen dringt und so hat der Stadtrat in Münster erstmals mit der üblichen Praxis des reibungslosen Durchwinkens der Millionenzuschüsse gebrochen und im März 2015 den von der katholischen Kirche beantragten städtischen Zuschuss von 1,2 Millionen Euro NICHT bewilligt!

Die freie Journalistin und Redakteurin säkularer Magazine wie MIZ und hpd, Daniela Wakonigg war an den Aktionen und Diskussionen in Münster maßgeblich beteiligt und wird uns von den Geschehnissen in Münster berichten und viele Bilder präsentieren.