Wir sind DA! Express02_-300x219 Die Gottlosen spalten Düsseldorf Presseartikel   Bekennende Atheisten um Jacques Tilly laden vor Ostern zum kollektiven Kirchen-Austritt

Originalartikel


Express

28.03.2014


Stellungnahme des DA! zum Expressartikel:

Sehr geehrter Michael Kerst, liebe Expressredaktion,

vielen Dank für Ihren Artikel im heutigen Express.
Selbstverständlich sind Sie herzlich eingeladen, an unserer Pressekonferenz am 4.4. um 14 Uhr in unserem „Humane-Welt-Laden“ (Friedrichstr. 93) teilzunehmen. Hier könnten Sie sich persönlich ein Bild von uns machen – so schlimm sind wir nämlich gar nicht – und bei dieser Gelegenheit noch einige weitere gottlos glückliche Düsseldorfer kennenlernen.
Den Ablauf unseres „säkularen Frühlings“ haben sie richtig dargestellt, nur inhaltlich würden wir gerne noch eine paar Dinge klären.

Zunächst: Wir haben nichts gegen Gläubige. Wer privat sein Gebet pflegt um sich wohl zu fühlen, soll das unbedingt tun dürfen. Wir würden in jedem Fall das Recht eines Gläubigen auf seinen Glauben und sein Gebet verteidigen. Auch sind wir als Atheisten nicht per se bessere Menschen. Allerdings sind umgekehrt Gläubige auch nicht bessere Menschen, nur weil sie religiös sind. Am Ende überzeugen Menschen allein durch ihr Handeln, nicht durch das Etikett, welches sie sich anheften.

Das alles ist aber nicht unser Anliegen: Uns bewegt allein die politische Forderung nach der vollständigen Trennung von Staat und Religion. Wir wollen die sofortige Abschaffung sämtlicher Privilegien der Institution Kirche. Welch skandalösen Umfang diese (vor allem finanziellen) Privilegien haben, können Sie u.a. im „Violettbuch Kirchenfinanzen“ des Autoren Carsten Frerk nachlesen.

Offenbar sind wir mit dieser Forderung auch nicht allein, wie Sie in Ihrem Artikel ja eindrucksvoll belegen. Viele Gläubige treten aus der Kirche aus, weil sie mit dieser unglaubwürdigen Institution nichts mehr anfangen können. Auch mit diesen Menschen möchten wir Atheisten uns gerne verbünden und eine Allianz bilden gegen die Privilegien der Religionen, so wie es die laizistischen bzw. säkularen Arbeitsgemeinschaften in den Parteien schon längst tun.
Die Kirchen müssen endlich zu dem werden, was sie auch sind: Vereine wie jeder andere auch, die ausschließlich von denen finanziert werden, denen sie auch etwas bedeuten.

Wir begrüßen daher, dass sich mehr und mehr Menschen von der Institution Kirche abwenden, denn mit Statistik wird – wie Sie sicher wissen – Politik gemacht. Natürlich ist uns klar, dass unter den Ausgetretenen auch Gläubige sind. Wie natürlich auch tausende Menschen, die überhaupt nie geglaubt haben nur in der Kirche sind, damit sie ihren Arbeitsplatz beim zweit größten Arbeitgeber Deutschlands (rund 1,2 Mio.) behalten dürfen und nicht gekündigt werden. In diesem Zusammenhang würden wir, wie auch viele ausgetretene Gläubige, die sofortige Streichung der Religionszugehörigkeit auf der Lohnsteuerkarte sehr begrüßen. Sie könnte die Zwangskonfessionalisierung vieler Menschen endlich beenden und würde den Anteil der Konfessionsfreien wahrscheinlich noch einmal erheblich erhöhen.

Da die Kirchen standhaft behaupten, die ethisch-moralische Instanz der Gesellschaft darzustellen und damit ihre politische Stellung und Macht legitimieren, helfen als Argument, dass dem nicht so ist, offenbar nur blanke Fakten: Spätestens wenn nur noch 10% der Bevölkerung Mitglieder der Kirchen sind, muss deren gesellschaftliche Rolle neu verhandelt werden. Wir harren der Dinge.

Die politische Macht, die die Kirche (und zunehmend auch der institutionalisierte Islam) inne haben, stehen aber bereits jetzt in einem eklatanten Missverhältnis zu der wachsenden Zahl an Austretenden, Konfessionsfreien und Atheisten (rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung). Wir als Humanisten und Atheisten wünschen uns endlich eine adäquate Vertretung unserer Anliegen im politischen Diskurs. Deswegen schließen wir uns zusammen und machen auf Belange aufmerksam.

Darüber hinaus sind wir aus guten Gründen der Ansicht, dass Religion um des gesellschaftlichen Friedens Willen niemals Politik machen darf. Denn ganz gleich, ob Katholiken, Protestanten, Juden, Moslems oder Esoteriker herrschen: Die Vermischung von Glauben und Staat ist immer fatal.

Diese Haltung bildet sich auch in unserer abendlichen Filmreihe (4.4. bis 10.4. jeweis ab 19Uhr) ab: Fast alle Filme zeigen, welch katastrophale Konsequenzen es hat, wenn Religion Staat macht. Ein Abend widmet sich unter diesem Aspekt den fanatischen Katholiken, einer den Islamisten, einer den orthodoxen Juden, einer den Evangelikalen und einer den Esoterikern.

Sie sind zu allen Veranstaltungen herzlich eingeladen. Wir empfangen täglich vom 4.4. bis 10.4. ab 14h alle Interessierten.

Mit freundlichen Grüßen
Eva Creutz vom Düsseldorfer Aufklärungsdienst (DA!)

2. Stellungnahme

Sehr geehrter Herr Kerst, liebe Mitarbeiter der Express,

es tut uns wirklich sehr leid, dass Sie doch tatsächlich nur einen einzigen Gottlosen zu kennen scheinen! Wir hoffen, dass Sie zu unserer Pressekonferenz kommenden Freitag kommen können, denn dort können sie noch mehr zutiefst ungläubige Düsseldorfer kennen lernen!

Der “Düsseldorfer Aufklärungsdienst” ist eine von inzwischen über 50 Regionalgruppen der Giordano-Bruno-Stiftung. Diese setzt sich für die Interessen säkularer Menschen ein und fördert den “evolutionären Humanismus”. Übrigens liegt der Anteil der Deutschen, die nicht an einen Gott glauben laut einer aktuellen Umfrage bei 27%. Und das dürfte in einer offenenen, modernen und liberalen Stadt wie Düsseldorf nicht geringer sein.

Evolutionäre Humanisten sind Naturalisten, die an kein übernatürliches Jenseits glauben,
sondern im Gegenteil, dass es in dieser Welt “mit rechten Dingen” zugeht. Für uns ist der kritisch-rationale Weg der einzige Weg, der uns annähernd die Wirklichkeit zu “enträtseln” vermag.

Und je mehr wir über unsere Natur erfahren, desto mehr Verständnis können wir auch für unser Tun und Denken erlangen und umso humaner wird auch der zwischenmenschliche Umgang, sprich die Ethik. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften haben unseren Horizont enorm erweitert, und auch zu einer wesentlich humaneren Ethik geführt, als dies dogmatische Ideologien jeder Art jemals vermochten. Religiöse Weltbilder sind uns schlicht zu klein geworden.

Mitglieder über Gottes-Märchen bei der Stange zu halten ist zu Recht schwer geworden.
Deshalb sehen wir in der wachsenden Säkualarität eine äußerst positive Entwicklung,
die wir einfach mal in aller Öffentlich feiern wollen!

Halb Düsseldorf ist aus den Kirchen ausgetreten und das finden wir ganz wunderbar.
Wir mahnen auch an, dass es unter den “Kirchenmitgliedern” nicht unerheblich viele gibt,
die mit dem Glauben nichts mehr zu tun haben, aber aus existentiellen Gründen nicht austreten können, weil sie zu den 1,2 Millionen Angestellten von Caritas und Diakonie gehören, wo Kirchenaustritt zum Jobverlust führt.

Es wird noch ein weiter und beschwerlicher Weg sein, die zahlreichen Privilegien der Kirchen und Religionsgemeinschaften abzubauen. Unter ihren recherchierten Gottgläubigen haben sie sogar einen Evangelikalen, der die Bibel wörtlich glaubt. Der also davon überzeugt ist, dass Gott diejenigen straft, die nicht an ihn glauben. Wenn sie solch eine Haltung für vorbildlich erachten, dann bestärkt uns das nur darin, wie wichtig und nötig unsere Arbeit für ein Umdenken in Richtung säkularer Humanität noch ist.

Wir brauchen dringend eine Weltanschauung, die die Welt auch anschaut, also alles andere als “an der Wirklichkeit vorbei” denkt. Aus unserer Perspektive geht die Religionsfreundlichkeit der Politik und der Presse total an der Wirklichkeit vorbei.

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Initiative, wir hoffen Sie zur Pressekonferenz begrüßen zu dürfen, mit dankbaren und neugierigen Grüßen

Ihre Ricarda Hinz vom DA!

Die Gottlosen spalten Düsseldorf