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FRAU. LEBEN. FREIHEIT. Wo steht der Iran? Wie geht es weiter?

Filmabend und Diskussion zur politischen Situation im Iran
10/11/2023
17:30 Uhr
Filmhaus Köln
Maybachstraße 111 | 50670 Köln
Eintritt gestaffelt nach 1 Film / 1 Film + Diskussion / 2 Filme + Diskussion (Details siehe Text)
Thema: Politik

FRAU. LEBEN. FREIHEIT. Wo steht der Iran? Wie geht es weiter?
Seit Monaten erfährt die Weltöffentlichkeit in den Medien von schlimmsten Menschenrechtsverletzungen im Iran. Vielen ist zum ersten Mal bewusst geworden, dass dieser nach China das Land mit den meisten Hinrichtungen weltweit ist. Seit 2023 sind die staatlichen Exekutionen nochmals ausgeweitet worden. Bis zum Jahresende könnte die Zahl der hingerichteten Frauen und Männer laut Amnesty International bei 1000 liegen. Die staatlichen (öffentlichen) Tötungen sind jedoch nur das sichtbarste Zeichen der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Korruption, Überwachung, Willkürjustiz und drakonische Haftstrafen, ungeklärte Giftgasanschläge auf Mädchenschulen, das spurlose Verschwinden von Personen und der allgegenwärtige Terror der Revolutionsgarden, schaffen ein permanentes Repressionsklima. Der autoritäre Gottesstaat duldet keinen Widerspruch.
Unsere mediale Aufmerksamkeit gilt den aktuellen Protesten todesmutiger Frauen und Männer. Jedoch ist die Situation im Iran heute nicht anders als vor einem Jahr, vor fünf, zehn und vor dreißig Jahren. Nur hat dies die internationale Presse und Politik bislang kaum zur Kenntnis genommen oder einfach ignoriert. Dabei sind alle Fakten bekannt: Seit Jahrzehnten werden im Exil lebende Iranerinnen und Iraner nicht müde, auf die politische Situation, die Unterdrückung der Frauen und Andersdenkenden und das immense Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen – meist vergeblich. Nur wenige Kampagnen dringen medial zu uns durch. Die große internationale Anteilnahme nach dem Tod von Jina Mahsa Amini ist derzeit die einzige Chance für die Protestbewegung, endlich eine politische Veränderung im Iran zu erwirken. Doch schon lässt das Interesse der Weltöffentlichkeit wieder spürbar nach.

Filmabend und Diskussion
In Solidarität mit den Protestierenden und auch um das mediale und gesellschaftliche Interesse hierzulande wieder auf den Iran zu lenken, veranstaltet das Bündnis Das Private ist politisch gemeinsam mit anderen säkularen und feministischen Initiativen und Aktivist:innen einen Filmabend und Diskussion zum Iran im Filmhaus Köln.
Wo steht der Iran? Wie geht es weiter? Was ist unter der sogenannten “feministischen Außenpolitik” zu verstehen und was ist vor dem Hintergrund internationaler Konflikte und geopolitischer Verflechtungen ernsthaft von ihr zu erwarten? Wie kann die Zivilbevölkerung in Europa die Protestbewegung wirksam unterstützen? Zeichnet sich die Bildung einer ernstzunehmenden außerparlamentarischen iranischen Opposition im Ausland ab, die für andere Länder zukünftig Ansprechpartner sein könnte?

Die Veranstalterinnen
Dr. Lale Akgün
Fatos Aytulun
Eva Creutz
Susanne Petersen

Programm / Freitag, 10.11.2023
17:30h – 18:40h Mina – Der Preis der Freiheit
Dokumentarfilm, Deutschland 2022, Laufzeit 70 Min.
Mit Mina Ahadi, Shole Pakravan, u. a.
Produzent / Autor / Regie / Kamera / Schnitt: Hesam Yousefi
Sprache: Deutsch

Mina – Der Preis der Freiheit
Der Dokumentarfilm Mina – Der Preis der Freiheit von Hesam Yousefi porträtiert Mina Ahadi, eine iranische Menschenrechtsaktivistin, die heute in Köln lebt. Ihre Geschichte ist eng verbunden mit der Geschichte tausender iranischer Freiheitskämpfer:innen, die entweder hingerichtet wurden, verstorben sind oder aus Altersgründen nicht mehr kämpfen können. Entlang ihres politischen Aktivismus führt der Film uns vor allem durch die Geschichte des islamischen Regimes, denn Mina Ahadi kämpft seit Jahrzehnten gegen Hinrichtungen und Steinigungen im Iran – und wurde dadurch selbst zur Zielscheibe des Gottesstaates. Mit zahlreichen Kampagnen hat sie die Weltöffentlichkeit auf die grausame Tötungspraxis aufmerksam gemacht und so unter anderem die Steinigung von Sakineh Mohamdi-Ashtiani verhindert. Dass heute im Iran nicht mehr gesteinigt wird, ist auch und vor allem Minas Verdienst. Ein trauriger Höhepunkt ihres Lebens war die iranische Revolution 1979 und die damit verbundene Einführung des Hijab-Zwangs. Kurz nach der Machtübernahme der Islamischen Republik wurde Minas Ehemann, Ismail Yeganehdust, hingerichtet. Mina beschloss, ihr Leben dem Kampf gegen die Todesstrafe zu widmen. Sie konnte viele Menschen retten – doch in ihren Augen immer noch viel zu wenige. Durch ihre Kampagnen und den engen Kontakt mit den zum Tode Verurteilten entstand in vielen Fällen eine tiefe emotionale Bindung; sie nannten und nennen Mina „Mutter“.
Der Film gibt Einblicke in Mina Ahadis bewegtes Leben zwischen Familienglück und Personenschutz. Er erzählt von ihren Erfolgen und Misserfolgen im Zentralrat der Ex-Muslime im Kampf gegen die Todesstrafe sowie für die Rechte von Frauen, Homosexuellen und Ex-Muslimen.

18:40h – 19:45h Podiumsdiskussion
Mit Carolin Kirsch (MdL), Yalda Zarbakhch (Journalistin / Deutsche Welle), Zoya Sepehri (Menschenrechtsaktivistin), Sima Seyed (Schauspielerin), Hesam Yousefi (Regisseur), Mina Ahadi (Menschenrechtsaktivistin)
Moderation: Dr. Lale Akgün (MdB a.D.)

19:45h – 20:30h Pause

20:30h – 22:30h Holy Spider
Frankreich, Dänemark, Schweden, Deutschland 2022,
Laufzeit 119 Min., FSK 16, Regie: Ali Abbasi
Darsteller: Mehdi Bajestani, Zar Amir Ebrahimi, Arash Ashtiani
Sprache: Persisch mit deutschen Untertiteln

Holy Spider
In der zweitgrößten iranischen Stadt Maschhad ermordet der 50-jährige Kriegsveteran und Familienvater Saeed Hanaei Anfang der 2000er Jahre nach und nach 16 Straßenprostituierte, indem er sie auf seinem Motorrad zu sich nach Hause fährt und sie dort mit ihren Hijabs stranguliert. Hanaei sieht darin eine spirituelle Mission, denn Maschhad gilt als die heiligste Stadt des Iran und der dort befindliche Schrein des Imam Reza als eine der sieben heiligen Stätten des schiitischen Islams, die jährlich von mehr als 20 Millionen Touristen und Pilgern besucht wird. Hanaei ist überzeugt, er müsse im Auftrag Gottes Maschhad vom „Dreck der unmoralischen Frauen“ säubern.
Im Jahr 2001 taucht die von ihrer Zeitung in Teheran entsandte Journalistin Rahimi (Zar Amir Ebrahim) in diese Welt ein, um den sich häufenden Frauenmorden nachzugehen. Schnell muss sie jedoch feststellen, dass die Polizei es nicht eilig hat, die Fälle aufzuklären – im Gegenteil. Viele scheinen Sympathien für die brutalen Taten des Mörders zu hegen und so stößt sie bei den Behörden ebenso wie in der Bevölkerung auf eine Mauer des Schweigens. Systematisch werden Rahimis Nachforschungen behindert. Mutig und nur von ihrem Kollegen Sharifi unterstützt, agiert sie bald selbst als Lockvogel, um dem Mörder auf die Spur zu kommen und gerät dabei in Lebensgefahr. Ein erschütterndes Drama, basierend auf einem wahren Kriminalfall. Seine aufsehenerregende Weltpremiere feierte HOLY SPIDER im Mai 2022 bei den Filmfestspielen in Cannes, wo Zar Amir Ebrahim zur besten Schauspielerin gekürt wurde und der Film im Hauptwettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte.

Eintritt
Mina – Der Preis der Freiheit + Diskussion 9,- / 8,- ermäßigt (Gilde-Pass + Köln-Pass // Keine Ermäßigung mit DA!-Mitgliedsausweis)
Mina – Der Preis der Freiheit + Diskussion + Holy Spider 14,- / 13,- ermäßigt (Gilde-Pass + Köln-Pass // Keine Ermäßigung mit DA!-Mitgliedsausweis)
Holy Spider 8,- / 7,- ermäßigt (Gilde-Pass + Köln-Pass // Keine Ermäßigung mit DA!-Mitgliedsausweis)


Das Private ist Politisch!
Denn es berührt stets die Frage: Wie wollen wir leben? Fest steht: Wo immer Religion die Gesellschaftsordnung bestimmt, sind weder Frauen noch Männer frei zu entscheiden, wie sie leben und lieben wollen und wie nicht. Fest steht auch: Der Spielraum und Handlungsradius der Frauen ist dabei immer noch geringer als der, der Männer. Diese Tatsache ist kritikwürdig und muss weiterhin in all ihren Erscheinungsformen öffentlich thematisiert werden.
Die Initiatorinnen der Veranstaltungsreihe Das Private ist politisch verstehen sich als Teil einer globalen säkularen Emanzipationsbewegung mit langer Tradition und sind überzeugt: Religionen müssen sich an den gleichen ethischen und gesellschaftspolitischen Maßstäben messen lassen wie jede andere Ideologie, die unsere Spezies im Verlauf ihrer kulturellen Evolution hervorgebracht hat.
Patriarchale, homo- und frauenfeindliche, antidemokratische, nationalistische oder autoritäre Lehren und Moralvorstellungen, wie sie aus Religionen abgeleitet werden, dürfen sich selbstverständlich genauso wenig der öffentlichen Kritik entziehen, wie ihre ideologischen Zwillinge aus dem rechts-nationalistischen Spektrum. Im Gegenteil. Sie sind weder „heilig“ oder „unantastbar“ und schon gar nicht Privatangelegenheit, denn sie wirken fundamental in die Gesellschaft zurück, wie sich aktuell weltweit wieder in zahlreichen Konflikten beobachten lässt.
Unser Bündnis aus säkularen, feministischen Frauen und Initiativen gibt daher seit 2022 Frauen und Männern eine Bühne, die sich dem islamischen, christlichen oder jüdischen Patriarchat und dessen religiösem Sittenkodex widersetzen und für ein freies, selbstbestimmtes Leben eintreten. Wir stehen solidarisch an der Seite dieser Menschen und möchten ihren Standpunkten und Anliegen Gehör verschaffen sowie den Diskurs darüber in die Stadtgesellschaft tragen. Denn Deutschland wird, weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, seit vielen Jahren zur Heimat von Menschen, die vor der Religion und den religiösen Verfassungen ihrer Herkunftsländer geflohen sind und hier endlich ein selbstbestimmtes Leben führen möchten.
Hier angekommen, treffen viele von ihnen auf genau die Ideologien, Zwänge und Bedrohungen, die sie zur Flucht zwangen. Von Politik, Behörden, Presse und der Mehrheitsgesellschaft werden sie systematisch als Angehörige bestimmter ethnisch-religiöser Gruppen gelesen und dadurch in ihrer Bedrohungslage nicht wahr- und ernst genommen. Und während religiöse Ansprüche und Ausnahmeregelungen immer mehr Aufmerksamkeit und Berücksichtigung erhalten, bleiben Erfahrungen, politische Interessen und Positionen säkularer und religionsfreier Menschen aus genannten Gründen meist unthematisiert, unterrepräsentiert und damit unsichtbar. Wir verstehen unsere Reihe daher als Beitrag zu einer lebendigen pluralen Demokratie und einer informierten Debatte.

Die Kooperationspartner:innen
DA! Düsseldorfer Aufklärungsdienst e. V.
FEE – Fördern und Erfolge Ernten e. V.
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Giordano-Bruno-Stiftung
Humanistischer Verband NRW, Gemeinschaft Köln
Hellen Vaziry
Säkulare Flüchtlingshilfe e. V.