Vortrag und Diskussion mit Richard Knispel |

In den 80er Jahren machte der Neurophysiologe Benjamin Libet Schlagzeilen. Er hatte entdeckt, dass das Gehirn eine Fingerbewegung schon dann zur Ausführung fertig vorbereitet hatte, bevor die Versuchsperson sich ihres Willens zu dieser Fingerbewegung bewusst wurde. Diese Erkenntnisse waren damals schockierend, und sie irritieren auch heute noch oft. Ich möchte darlegen, dass sie nur dann verstörend sind, wenn man von einem letztlich religiösen Bild vom Menschen und seinem Bewusstsein ausgeht, nämlich dass der Mensch gottgleich ist. Nur wenn man meint, dass der menschliche Wille gleich dem Schöpfergott der autarke Autor, der unbewegte Beweger sein muss, wird die kausale Vorbereitung unserer jeweiligen Willensausprägung durch das Gehirn zum Problem.

Richard Knispel hält es für ausgemacht, dass es einen von der irrsinnig komplexen Maschinerie des Gehirns unabhängigen Willen nicht gibt. Dennoch wird Freiheit dadurch nicht unmöglich. Auch in einer von Kausalketten bestimmten Welt können wir mehr oder weniger frei sein in dem, was wir wollen und tun. Richard Knispel möchte darlegen, wie man sich das vorstellen kann.

Ja – Nein – Vielleicht. Eine Annäherung an den freien Willen